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Das endgültige Gericht Gott überlassen

19. 07. 2020

Pfr. Dr. Emmanuel C. Umeh



16. Sonntag im Jahreskreis


1. Lesung: Weisheit 12,13.16-19
2. Lesung: Römerbrief 8,26-27
Evangelium: Matthäus 13,24-43


Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Ibn Saud, der erste König von Saudi-Arabien, stand vor einem Dilemma. Eine Frau kam zu ihm und verlangte das Todesurteil für einen Mann, der ihren Mann getötet hatte. Der Mann war in einer Palme gewesen, um Datteln zu sammeln. Er war ausgerutscht und hatte beim Sturz den Ehemann der Frau getötet. Der König fragte die Frau: „War der Sturz beabsichtigt? Waren die beiden Männer Feinde?“ Die Witwe kannte weder den Mann noch wusste sie, warum er gefallen war, aber sie verlangte den ihr nach dem Gesetz zu-stehenden Blutpreis. „In welcher Form wollt Ihr die Entschädigung erhalten?“, fragte sie der König. Die Witwe verlangte den Kopf des Schuldigen. Der König versuchte sie davon abzubringen und wies darauf hin, dass sie das Blutgeld brauchte und dass die Hinrichtung dieses Mannes weder ihr noch ihren Kindern nützen würde. Aber die Frau bestand darauf, dass es nicht richtig sei, dass der Mann, der ihren Mann getötet habe, weiter in der Gemeinschaft guter Menschen leben dürfe. Er solle sofort ausgerottet werden.
Der König sagte: „Nach dem Gesetz ist es Ihr Recht, Entschädigung zu verlangen, und es ist nach dem Gesetz auch Ihr Recht, um das Leben dieses Mannes zu bitten. Aber es ist mein Recht nach dem Gesetz, zu bestimmen, wie er sterben wird. Du sollst diesen Mann mitnehmen und er soll an den Fuß einer Palme gefesselt werden; dann wirst Du selbst auf die Spitze des Baumes steigen und Dich von jener Höhe hinabwerfen. Auf diese Weise wirst Du ihm das Leben nehmen wie er es Deinem Mann genommen hat.“ Der König hielt einen Augenblick inne. „Oder“, fügte er hinzu, „vielleicht würdest Du es vorziehen, das Blutgeld zu nehmen?“ Die Witwe nahm das Geld.
Diese Forderung nach einem sofortigen Urteil, nach Ausrottung derjenigen, die in der Gemeinschaft Schaden angerichtet haben, nach dem Vorziehen des letzten Urteils in die Gegenwart ist etwas, was in den heutigen Schrifttexten ernsthaft in Frage gestellt wird. Der Verfasser des Buches der Weisheit versucht die drängende Frage zu beantworten: Warum lässt Gott das Böse gedeihen? Warum ist Gott so geduldig und gemäßigt mit Israels Feinden? Er argumentiert, dass Gottes Mäßigung nicht das Ergebnis von Schwäche ist: Seine Gerechtigkeit hat schließlich ihre Quelle in seiner Kraft. Aber wie setzt Gott diese souveräne Kraft tatsächlich ein? Die Antwort ist, dass er zugunsten des Leitens mit „großer Nachsicht“ sorgt. So ist Gottes Barmherzigkeit für alle, sogar seine traditionellen Feinde. Und darin besteht ein Vorsatz: „Durch solches Handeln hast du dein Volk gelehrt, dass der Gerechte menschenfreundlich sein muss, und hast deinen Söhnen die Hoffnung geschenkt, dass du den Sündern die Umkehr gewährst“ (Weisheit 12, 19).
Die Menschen werden gebeten, den gleichen Geist Gottes zu teilen und gegenüber ihren Mitmenschen mit Freundlichkeit zu handeln. Es geht darum, dass Gottes Nachsicht uns Hoffnung gibt, dass wir Gottes Vergebung erfahren werden. Diese Hoffnung ist auch im Vaterunser verankert: Vergib uns unsere Verfehlungen, wie auch wir vergeben denen, die uns verletzen.
Der Skandal um Gottes Geduld und Nachsicht mit den Übeltätern erscheint erneut im Evangelium. Das Himmelreich wird mit einem Landwirt verglichen, der mit einem Problem konfrontiert ist: Auf seinem Acker wachsen Weizen und ein giftiges Unkraut. Die Diener des Bauern wollen das Unkraut aus dem Acker entfernen, aber der Bauer sagt ihnen, sie sollen es lassen; er ist besorgt, dass die Entwurzelung des Unkrauts den Weizen gefährden wird. So dürfen sowohl der Weizen als auch das Unkraut wachsen und erst bei der Ernte werden sie getrennt.
Die Botschaft dieses Gleichnisses ist etwas, das Jesus während seines ganzen Dienstes gelebt hat. Er griff alle möglichen Leute an und mischte sich unter Priester, Gauner, Schriftgelehrte, Politiker, Kinder und Zöllner. Religiöser Separatismus war etwas, das Jesus ablehnte. Es war ihm wichtig, die Verlorenen zu suchen und zu retten. Die Pharisäer kritisierten ihn für seinen freundlichen Umgang mit den Sündern. Aber Jesus wusste, dass alle Gemeinschaften eine Mischung aus Gut und Böse sind. Am Ende ist Gott derjenige, der richten wird.
Die Botschaft des Gleichnisses fordert uns heute heraus, niemanden zu verurteilen. Es ist nicht unsere Aufgabe festzustellen, wer zum Unkraut und wer zum Weizen gehört. Weil wir nicht in das Herz anderer Menschen sehen können. Das letzte Wort über uns kommt von Gott. Paulus unterstrich den gleichen Punkt, als er der Gemeinde in Korinth sagte: „Richtet also nicht vor der Zeit; wartet, bis der Herr kommt, der das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen wird. Dann wird jeder sein Lob von Gott erhalten“ (1Kor 4,5).
Wir sind dazu aufgerufen, unser eigenes Gewissen zu erforschen und uns selber zu bekehren. Wie oft merken wir, dass es in unseren Herzen genügend Unkraut gibt, von dem uns Gott durch das Sakrament der Versöhnung befreien muss. Wir können nicht aus eigener Kraft das Heil erlangen. Gott schenkt uns seine Gnade, im Guten zu bestehen. Möge die Fürbitte der Seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria uns helfen, ein christliches Lebenszeugnis zu geben und so die Hoffnung auf die selige Vollendung im Himmelreich vielen Menschen zu vermitteln. Amen.

 

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