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Gemeinsam auf den Geist warten

24. 05. 2020

Pfr. Dr. Emmanuel C. Umeh



7. Sonntag der Osterzeit im Jahr A


1. Lesung: Apostelgeschichte 1,12-14
2. Lesung: I Petrus 4,13-16
Evangelium: Johannes 17,1-11


Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Im Regen zu stehen und auf einen Bus zu warten, das ist keine Vorstellung von einer angenehmen Art, sich die Zeit zu vertreiben. Warten auf einen wichtigen Brief, auf die Ergebnisse einer Prüfung, sind alles Aktivitäten, die nur wenige von uns tatsächlich genießen. Es gibt Zeiten im Leben, in denen es für uns nichts zu tun gibt, als zu warten. Aber unsere Zeit mit Warten zu verbringen, wird oft als Zeitverschwendung betrachtet: Wir würden lieber alles Mögliche tun, als nur herumzuwarten. Manchmal fühlen wir uns schuldig, wenn jemand zu uns sagt: „Setz dich nicht einfach hin, mach etwas!“ Aber manchmal ist das Einzige, was man tun kann, abzuwarten.
Einer der Gründe, warum wir frustriert sind, ist, dass wir keine Kontrolle darüber haben, was passiert. Wir fühlen uns passiv und machtlos. Aber es gibt auch Zeiten, in denen das Warten eine positive Erfahrung sein kann. Wenn Eltern auf die Geburt ihres Kindes warten, ist ihr Warten voller Hoffnung, denn das, worauf sie warten, hat bereits im Mutterleib begonnen. Worauf sie warten, nimmt leise Gestalt in einem winzigen Bündel von Leben. So auch in der Geschichte des Volkes Gottes: Die Gemeinschaft wartet auf die Erfüllung einer Verheißung, dass Gott kommen wird. „Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele, ich warte voll Vertrauen auf sein Wort. Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen. Mehr als die Wächter auf den Morgen soll Israel harren auf den Herrn“ (Psalm 130,5-7).
In der heutigen Lesung vom Beginn der Apostelgeschichte zeigt uns Lukas drei Gruppen von Menschen, die gemeinsam auf das Kommen des Geistes warten. Diese drei Gruppen sind die elf Apostel, die Frauen aus Galiläa und Maria mit den Brüdern Jesu. Die Zusammenführung dieser drei Gruppen zu einer Gemeinschaft, die im oberen Raum wartet, ist für Lukas sehr wichtig: Von Anfang an dient diese Gemeinschaft dazu, die ungebrochene Kontinuität zwischen dem Leben Jesu und dem Leben der Kirche zu demonstrieren. Gemeinsam werden sie die Grundgemeinschaft der Kirche bilden.
Die Elf genießen eine einzigartige Bedeutung, weil sie von Jesus auserwählt wurden und „angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und (in den Himmel) aufgenommen wurde ...“ (Apg 1,22), bei ihm waren. Aber die Erfahrung der Apostel deckt nicht das gesamte Evangelium ab - deshalb sind die beiden anderen Gruppen wichtig. Die Frauen aus Galiläa waren die ersten, die an dem leeren Grab die Botschaft von der Auferstehung hörten - etwas, das die Apostel nicht bezeugen konnten. Maria war die Erste im Evangelium, die Gottes Botschaft über Jesus hörte, und zusammen mit Joseph war sie für die Gestaltung des frühen Lebens Jesu verantwortlich. Weder die Apostel noch die Frauen aus Galiläa decken diese Zeit des Evangeliums ab. Aber gemeinsam tun sie es alle.
Die Apostel, die Frauen und Maria bilden das Evangelium in seiner Gesamtheit und den Anfang der Kirche. Auch Jakobus wird als Oberhaupt der Kirche in Jerusalem eine sehr wichtige Rolle in der frühen Kirche spielen. Nun sind all diese Figuren im Gebet vereint, während sie auf das Kommen des Geistes warten.
Sie kommen alle wegen des Wortes Gottes in Jesus zusammen. Das Warten auf den Heiligen Geist ist nicht ihre eigene Idee; vielmehr warten sie auf der Grundlage der Verheißung Jesu. Sie sind eine Gemeinschaft, die um dieses Versprechen herum versammelt ist und ihre Anwesenheit bekräftigt die Hoffnung eines jeden einzelnen Menschen dort. Sie vertreiben sich nicht nur die Zeit. Sie erwarten, dass etwas Neues in und mit ihnen geschieht, und sie sind durch das Gebet im gegenwärtigen Moment aufmerksam.
Am Anfang seines Evangeliums zeigte uns Lukas, dass die Antwort Mariens auf das Wort Gottes darin bestand, es geschehen zu lassen. Lass es sein. Lassen Sie es werden. Lassen Sie es in Ihnen Gestalt annehmen. Nun zeigt uns Lukas am Anfang der Kirche, wie die ganze Gemeinschaft auf das Wort reagiert, so wie Maria es zuerst tat: Sie warten aufmerksam darauf, das Wort Gottes in ihrem Leben geschehen zu lassen. Sie haben die Überzeugung, dass das Wort dort geschehen wird, wo sie sind und nicht woanders. Und sie warten gemeinsam, denn Gemeinschaft ist der Ort, wohin der Geist kommt.
Und das ist es, wozu wir eingeladen sind, wenn wir uns dem Fest des Hl. Geistes an Pfingsten nähern. Wir sind herausgefordert, gemeinsam auf die Verheißung Jesu zu warten; die Überzeugung der ersten Gemeinschaft zu teilen, dass der Geist Gottes anwesend ist, wo wir sind. Die Verheißung Jesu, der die erste Gemeinschaft versammelte, ist diesel-be Verheißung, die uns zusammenführt. Wir sind alle hierhergekommen, um als Gemeinschaft um den Segen des Geistes zu beten. Und wie die erste Gemeinschaft haben wir das Wort Gottes im Zentrum unserer Versammlung. Also warten wir. Wir warten in dem Wissen, dass uns jemand erreichen will, dass uns jemand mit Macht besuchen will. Unser Gebet ist es, es einfach abzuwarten. Lassen Sie es geschehen. Was Gott verheißen hat, soll in uns geschehen. Nur auf diese Weise wird das Werk Gottes in der Welt von heute und morgen vollbracht. In unserem Kampf, das Corona-Virus zu überwinden, die Pandemie, die die ganze Welt in Fesseln hält, brauchen wir Gottes Eingreifen, um die Welt zu heilen. Wir müssen standhaft bleiben im Gebet und auf die überreiche Barmherzigkeit Gottes vertrauen. Die Selige Jungfrau Maria, die Königin der Apostel und Muttergottes, betet für uns.
Amen!

 

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