Herzprobleme – Wo ist das Licht?

21. 05. 2020

Pfr. Dr. Emmanuel C. Umeh



Christi Himmelfahrt im Jahr A


1. Lesung: Apostelgeschichte 1,1-11
2. Lesung: Ephesus 1, 17-23
Evangelium: Matthäus 28,16-20


Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Jesus ist nach Hause zurückgekehrt. Seine Arbeit ist getan und er hat uns verlassen, obwohl er uns nicht aufgegeben hat. Er hat uns verlassen, damit wir an unserem Christsein arbeiten; damit wir die Folgen unseres Glaubens ergründen, damit wir die gewaltige Freiheit annehmen, unser eigenes Leben zu gestalten und dafür verantwortlich zu sein. Wir haben das Licht der österlichen Kerze ausgelöscht; doch wir können das Licht dort auslöschen in dem Glauben, dass dieses Licht woanders brennt - dass wir selbst das Licht aufgefangen haben und dass es in unseren eigenen Herzen brennt.
Vielleicht haben Sie schon einmal die alte Erzählung von Gottes ursprünglichem Problem gehört: Wo er seinen kostbarsten Besitz, sein eigenes Bild, verbergen soll. Er rief drei weise Ratgeber herbei, um sich ihre Vorschläge anzuhören: Der erste riet Gott, sein Bild auf den höchsten Berg der Erde zu stellen, wo es für immer sicher wäre; Gott lehnte den Vorschlag jedoch ab. Der zweite weise Mann schlug vor, dass Gott sein Bild in die Tiefen des tiefsten Meeres legen sollte; aber Gott sah U-Boote vor seinem geistigen Auge und sagte nein. Der dritte schlug vor, dass Gott sein Bild auf die andere Seite des Mondes stellen solle; aber Gott lächelte in sich hinein und sagte, dass der Mensch auch dorthin gelangen könne. Dann hatte Gott die zündende Idee: „Ich weiß, wo ich mein Bild verstecken kann", sagte er. „Ich werde es an einen Ort bringen, an den die Menschen nie denken werden, nachzuschauen; ich werde es ihnen ins Herz schließen. Dort wird es nie entdeckt werden.“ Und die drei Weisen nickten zustimmend; sie wussten, dass Gott tatsächlich Recht hatte.
Das Bild Gottes, das Licht Gottes, befindet sich dort, wo wir selten hinschauen: in unserem Herzen. Wir glauben, dass Gottes Gegenwart in uns ist - nicht als Versteck, sondern dass wir ihn aus nächster Nähe entdecken können. Als Hl. Augustinus die Himmelfahrt im vierten Kapitel seiner Bekenntnisse diskutierte, betonte er den gleichen Punkt: Gott entzog sich unseren Augen, dass wir vielleicht in unser eigenes Herz hineinblicken, um ihn zu finden. Wenn das Licht der österlichen Kerze erlischt, finden wir das Licht dann näher bei uns zu Hause, in unserem eigenen Herzen?

 

Im heutigen Evangelium sind die Jünger Jesu eingeladen, sich die große Vision einer Nachfolge aller Nationen zu Herzen zu nehmen und diese Vision ihre Mission gestalten zu lassen. Mit dem Weggang Jesu sind sie eingeladen, sich viele Menschen zu Herzen zu nehmen. Wir wissen aus Erfahrung, dass es nicht ausreicht, sich Christus zu Herzen zu nehmen. Wenn Christus kommt, um in unserem Herzen zu wohnen, kommt er nie allein. Er kommt komplett mit Entourage und Gepäck: Er bringt seine Liebe und seine Werte und Hoffnungen mit, er bringt seine Träume und Erwartungen mit. Er bringt auch Jünger und fremde Freunde; er bringt die Armen, Blinden und Krüppel; er bringt die Ausgesto-ßenen, die Fremden und die vielen Übersehenen.
Christus kommt nie allein. Und wenn er kommt, wird uns klar, dass das Besuchsteam eher wie eine Zirkusparade als eine göttliche Prozession aussehen kann. Wie die Gastwirte der Welt könnten wir versucht sein, ein „keine Vakanz“-Zeichen zu setzen, um Jesus zu sagen, dass wir keinen Platz in unserem Herzen für seine Busladung von Unterstützern und für sein theologisches Gepäck haben. Aber eine Sache ist sicher: Wir können nicht nur ihn aufnehmen und den Rest draußen lassen.
Lange vor seiner Himmelfahrt nahm sich Jesus viele Menschen zu Herzen. Er litt an seiner leidenschaftlichen Liebe zu anderen. Er zahlte einen hohen Preis dafür, dass er sich so viele Menschen zu Herzen genommen hat. Aber er schätzte sie, in all ihrer Kleinlichkeit und einseitigen Entschlossenheit, mit all ihren dünnen Bestrebungen und verrückten Ambitionen, mit all ihren privaten Sorgen und versteckten Ängsten. Mit all diesem begann sein Herz mehr wie eine Notaufnahme als eine Schatzkammer auszusehen.
Die Herausforderung Jesu besteht darin, unser Herz für seine von ihm bevorzugte Art von Menschen zu öffnen. Wenn wir sie einlassen schlüpft er unter sie. Wer wird sich die Armen, die Alten und die Kranken dieser Welt zu Herzen nehmen? Wer riskiert es, die zerbrechlichen Menschen zu den Schmuckstücken der Schatzkammern ihrer Herzen zu machen?
Wir wissen, dass viele Menschen das tun. Die Menschen, die alte Menschen in Heimen oder zu Hause pflegen; Menschen, die täglich in psychiatrischen Kliniken und Krankenhäusern arbeiten, Menschen, die in Slums und Ghettos anderen Menschen helfen. Ihre große Herzlichkeit macht den Rest von uns demütig und unsere eigenen Probleme und Sorgen erscheinen armselig im Vergleich zu den riesigen Anforderungen, denen sie mit Engagement und Humor begegnen.
Wir können nur versuchen, in unserem Herzen mehr Raum für unsere Mitmenschen zu schaffen, und wir können dies in der Wahrheit des Evangeliums tun. Die Worte Jesus geben uns Kraft dazu. Er versichert uns, dass er mit uns alle Tage bis zum Ende der Welt ist. Lasst uns mit Maria, der Gottesmutter, in den kommenden Tagen um das Kommen des Heiligen Geistes beten. Amen.