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Das Rätsel der Hoffnung

17. 05. 2020

Pfr. Dr. Emmanuel C. Umeh



6. Sonntag der Osterzeit im Jahr A


1. Lesung: Apostelgeschichte 8,5-8.14-17
2. Lesung: 1 Petrus 3,15-18
Evangelium: Johannes 14,14-21


Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Ein Gefangener, der zum Tod verurteilt wurde, wird zur Erschießung herausgeführt. Es ist ein Priester. Er wurde zum Tod verurteilt, weil er sich der portugiesischen Sklavenhandelspolitik in der Kolonie des Landes widersetzt hatte. Er steht vor einer Außenmauer, ihm gegenüber sieben Mitglieder des Schieß-Kommandos. Bevor der Offizier ihm die Augenbinde anlegt, fragt er den Gefangenen nach der traditionellen letzten Bitte. Die Antwort kommt überraschend: Der Priester will ein letztes Mal seine Flöte spielen.
Auf dem Schießplatz ist es völlig ruhig; alle warten verwundert, was er wohl spielen wird. Als er zu spielen beginnt, ist das Gefängnisgelände mit Musik erfüllt, die an diesem seltsamen Ort umso schöner klingt. Der Offizier ist besorgt, denn je länger die Musik erklingt, umso absurder erscheint ihm seine Aufgabe. Er befiehlt dem Gefangenen, mit dem Spielen aufzuhören, bindet ihm die Augenbinde um und gibt seinen Soldaten den Befehl zu schießen. Der Priester stirbt sofort. Aber die Musik verweilt, sie hallt nach, um seine Henker zu verwirren: Woher kommt die Musik angesichts des sicheren Todes?
In der heutigen Lesung wird der frühchristlichen Gemeinde gesagt, dass ihr Verhalten so sein sollte, dass ihre Verfolger beschämt werden: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen. Dann werden die, die euch beschimpfen, weil ihr in ... Christus ein rechtschaffenes Leben führt, sich wegen ihrer Verleumdungen schämen müssen“ (1 Petr 3,15-17).
Wenn Menschen Verfolgung ausgesetzt sind, fällt die Hoffnung oft als erstes zum Opfer. Deshalb ist Hoffnung angesichts des gewaltsamen Todes für viele Menschen zutiefst verwirrend - besonders für diejenigen, die danach streben, nicht nur die Gläubigen zu töten, sondern auch das, woran sie glauben. Welche Art von Hoffnung ist es, die diejenigen, die leiden, im Angesicht des Todes befähigt, Musik zu spielen? Im Tod des Märtyrers werden der Verfolger und der Zuschauer immer von der Hoffnung in Frage gestellt, die den Tod durchschaut. Hoffnung ist die Tugend, die uns befähigt, mit echter Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Hoffnung darf nicht auf Wunschdenken reduziert werden. Wir alle können die Zeit vertrödeln und uns eine Zukunft vorstellen, die nichts mit der Realität zu tun hat.
Wunschdenken hat keine Grenzen; es räumt keine Begrenzung ein; es wird nicht von dem kritisiert, was tatsächlich möglich ist. Ich kann Sie bitten, sich einen Elefanten mit sechs Beinen vorzustellen. Sie können sich das vorstellen, aber es wäre töricht zu hoffen, dass Sie es eines Tages erleben werden. Die Hoffnung gründet auf dem Leben. Wie der jüdische Schriftsteller Martin Buber bemerkte: „Hoffnung stellt sich die Realität vor.“ Das ist der Unterschied zwischen Hoffnung und Wunschdenken. Die Hoffnung ist nicht grenzenlos; sie ist durch reale Möglichkeiten begrenzt. Hoffnung braucht Hilfe, damit sie über den Ausdruck des Begehrens hinausgeht. Ohne Hilfe bleibt die Hoffnung ein Waisenkind - verlassen im Kindergarten des Geistes. Jesus hat nicht die Absicht, seine Jünger in einer Situation ohne Hoffnung auf Hilfe zurückzulassen. Jesus verspricht seinen Nachfolgern den Geist, den Beistand, der für immer bei ihnen sein wird. Die Kraft des Geistes ist die Hilfe der christlichen Hoffnung. Ohne den Geist würden die Nachfolger Jesu auf ihre eigenen Ressourcen zurückgeworfen, die eindeutig unzureichend sind, wenn das Gehen hart wird. Die Zeit der Passion Jesu hat das bewiesen. Mit Hilfe des Geistes aber können die Jünger der Zukunft mit einer Kraft begegnen, die viel größer ist als sie selbst. Die Kraft ist der Geist, die Gabe Gottes selbst.
Die Wirklichkeit des Geistes ist der Grund ihrer Hoffnung. Jesus warnt die Jünger, dass die Welt den Geist nicht aufnehmen wird, „... weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt“ (Joh 14,17). Dennoch wird der Geist Gottes in den Jüngern sein, auch wenn so viele Menschen seine Gegenwart nicht erkennen können. Die einzige Möglichkeit, wie die Feinde des Evangeliums zur Realität des Geistes kommen können, ist, wenn sie den Mut, die Standhaftigkeit und die Hoffnung der Jünger sehen, der Wahrheit des Evangeliums treu zu bleiben. Die Hoffnung der Jünger ist etwas, was die Welt zwar sehen, aber nicht zur Rechenschaft ziehen kann. Die Jünger erklären ihre Hoffnung, indem sie auf die Kraft des Geistes Gottes hinweisen, der sie ermutigt. Sie wissen, dass diese Macht nicht ihre eigene ist. Ohne diesen Geist gäbe es keine Musik, um das Schieß-Kommando zu verwirren.
Jesus macht deutlich, dass der Geist, den er verspricht, allen Menschen gegeben wird, die ihn lieben und seine Gebote halten. Dieses Versprechen gilt für jeden von uns in unserem eigenen Kampf im Glauben. Und deshalb fordert uns die Kirche zu Pfingsten auf, für die Geisteserneuerung zu beten. Mit diesem Geist in uns können wir die alte christliche Praxis fortsetzen, Menschen mit der Hoffnung, die in uns ist, zu verwirren. Wir rufen die selige Jungfrau Maria, die Mutter Gottes und Mutter aller Hoffnung auf, für uns einzutreten, besonders in dieser kritischen Zeit unserer Generation, damit wir immer unsere Hoffnung auf Gott setzen können.

Amen.

 

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